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Andreas Geschichte

Um Ruhe zu haben, wird sie vom Vater kräftig geschüttelt, aufs Bügelbrett gelegt, von dem sie herunterfällt, dann unters Ehebett gestoßen. Ihr eigenes Bett ist so verschmutzt und verwahrlost, dass man Hemmungen hat, es mit bloßen Händen anzufassen.

Mit viel zu heißem Babyfläschchen verbrennen die Eltern ihr den Mund. Andrea verweigert jegliche Nahrungsaufnahme. Sie kommt wegen der Gefahr des Austrocknens ins Krankenhaus. Dort wird ein Schütteltrauma festgestellt. Eine Operation kann die verletzten Augen retten.

Andrea ist zwei Jahre alt, als sie zu uns gebracht wird. Sie ist apathisch, kann keinen Augenkontakt halten – die Augen drehen weg –, sie isst und trinkt nichts. Sie will nicht spielen, kann nicht sprechen, ein Bein kann sie überhaupt nicht bewegen. Mit dem Löffel wird ihr Flüssigkeit gereicht. Das Essen fester Speisen ist für sie ungewohnt – sie verweigert es. Babygläschen, die ab dem vierten Lebensmonat geeignet sind, nimmt sie an.

In den ersten sechs Monaten sind für Andrea immer die gleichen vier Hohenfrieder da. Sie helfen dem Mädchen, Vertrauen zu fassen, Sicherheit zu spüren und sich nach und nach wieder auf einen anderen Menschen einzulassen.

Krankengymnastik, Heileurythmie, Musiktherapie und heilpädagogisches Reiten richten Andrea langsam auf.


Andrea ist jetzt vier Jahre alt. Sie ist aufgeweckt und versteht jeden Spaß, hat Humor. Sie nimmt am Hohenfrieder Leben teil, läuft, isst, was zu Mittag auf den Tisch kommt, übt sich darin, Wörter zu formulieren.
Heute nimmt sie sich die Dinge vom Leben, die sie haben will – und kämpft um sie.