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Gottfrieds Geschichte

An dem Tag als er nach HOHENFRIED kam, war er mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Von seinem Wesen konnten wir dadurch kaum etwas erkennen. Trotz seines hohen Aggressionspotentials, wagten wir den Versuch, mit ihm zu arbeiten. Um den Menschen Gottfried zu erleben, wurden die Medikamente reduziert, es galt das Prinzip des »Nachgehens«. Wie geht Gottfried mit den Begebenheiten des Lebens um? Was sind seine Vorlieben, Ängste, Barrieren und Intentionen? Diese Methode erfordert von uns die absolute Bereitschaft, ihn durch alle Situationen zu begleiten. Auch durch kritische.

Gottfried starb im Alter von 21 Jahren. Erst nach seinem Tod haben wir seine Einmaligkeit erkennen können. Bis zu seinem Lebensende behielt Gottfried sein reines, kindliches Gemüt. Dies strahlte er in sein Umfeld aus und sorgte dafür, dass es nicht getrübt wurde. Wenn es notwendig war, schützte er es sogar unter Anwendung seiner enormen Körperkraft.

Es waren die Begegnungen mit Gottfried, die seine besonderen Fähigkeiten zeigten. Wenn er auftauchte, geschah dies ganz unerwartet.

Einmal stand er plötzlich in der Tür zum Büro, dann lief er einem auf dem Gelände über den Weg oder kam überraschend zur arbeitsintensivsten Zeit in die Küche. Da stand er dann mit seinem kindlichen Strahlen und lächelte uns an. Fragte man ihn, ob er etwas haben wolle, verneinte er. »Ich wollte dich nur besuchen, ich bin dein Freund«, sagte er dann. Das Besondere an ihm war die Absichtslosigkeit in seinem Tun und die Wirkung, die von ihm ausging: Alles und jeder um ihn herum wurde gelassener, ausgeglichener.

Seiner Wirkung konnten wir uns einfach nicht entziehen. Und wir wollten es auch gar nicht.