Matthias
Matthias kommt zu früh auf die Welt. Eine Speiseröhrenverformung erschwert die Nahrungsaufnahme. Er ringt mit dem Tod – und da ist er erst drei Monate alt. Mit zwei Jahren macht er eine Lebensmittelvergiftung durch. Mit neun leidet er an einer Hirnhautentzündung. Die Ärzte legen Matthias immer wieder in die Arme seiner Mutter – sie soll ihn zu Hause sterben lassen.
Matthias Geschichte
Matthias überlebt, bleibt jedoch in seiner Entwicklung weit zurück und stellt schwer erfüllbare Anforderungen an sein Umfeld. Das führt dazu, dass sein Leben meist in einem Raum im Keller stattfindet. Zum Schlafen muss er angegurtet werden, sonst wäre die Gefahr der Selbstverletzung zu groß.
Mit elf Jahren kommt er tagsüber nach HOHENFRIED. Er spuckt, beißt, erbricht die soeben eingenommene Nahrung, tritt um sich und fügt sich und anderen immer wieder Verletzungen zu. Er kratzt sich am Körper, bis Blut fließt. Eine erneute medizinische Klärung bringt keine Zukunftsperspektiven. Es herrscht Ratlosigkeit. Einzige Erkenntnis: Matthias sei therapieresistent.
Mit 14 Jahren stürzt sich Matthias vom Fenster einer Spezialklinik. Danach erfolgt eine vollstationäre Aufnahme in HOHENFRIED. Sein Lebensraum wird mit gepolsterten Wänden und gesicherten Fenstern ausgestattet. Er erhält eine Intensivbetreuung.
Für das Team ist der Umgang von Matthias eine Herausforderung, die an die persönlichen Grenzen führt. An seinem 15. Geburtstag springt Matthias aus dem Fenster, diesmal aus dem dritten Stock. Er überlebt wie durch ein Wunder. Das Team begibt sich an die Verarbeitung des Zwischenfalls.
Neben der Biografie von Matthias wird auch dargestellt, was er uns angetan hat: die vielen Bisswunden, Hämatome, der Ekel, den es zu überwinden galt. Das Team kommt zum Entschluss, dass eine Zukunft mit Matthias möglich ist und die gemeinsame Arbeit fortgesetzt werden soll. Nach dieser Entscheidung tritt eine große Verwandlung ein. Das Zimmer von Matthias wird neu gestaltet, er nimmt seinen eigenen Rhythmus wahr, beginnt zu essen. Ein Wachstumsschub setzt ein. Zum ersten Mal spricht Matthias auf die Therapien an. Auch der Umgang mit seinen Betreuern verändert sich vollkommen. Doch die nächsten Krisen lassen nicht lange auf sich warten: schwere Lungenentzündung, Loch in der Blase, Nierenversagen.
Matthias fordert uns immer wieder heraus, genau hinzuschauen und uns auf seine Situation einzulassen. Dieses Prinzip führt zum Erfolg. Seine Entwicklung ist vorangeschritten. Er ist ein Charmeur geworden. Und er ist erwachsen.
Haus Hohenfried e.V.