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Geschichten aus HOHENFRIED

Was wäre das Leben ohne die liebevollen Details, die feinen Nuancen, die uns Einblick in ein menschliches Wesen geben und uns viel über es erzählen.

Auf HOHENFRIED gibt es viel zu erleben. An die 180 Menschen leben und 248 arbeiten hier. Da kommt es schon oft vor, dass sich lustige Anekdoten und Ereignisse ergeben, die im Gedächtnis bleiben, zum Lachen bringen oder zum Nachdenken anregen. Gut, dass einige Mitarbeiter von HOHENFRIED diese Geschichten aufgeschrieben haben.

Möchten auch Sie eine Geschichte schreiben? Dann senden Sie uns einfach ein E-Mail, wir veröffentlichen Ihr HOHENFRIEDer Erlebnis gerne an dieser Stelle. info@hohenfried.de

HIER WERDE ICH GEBRAUCHT

Ein junger Mann aus einem Arbeitstraining, er ist ca. 30 Jahre alt, äußerst ernsthaft, dass er HOHENFRIED verlassen und in Höhenberg arbeiten will. Denn da sei alles besser.

Beim Arbeitsplatzwechsel von der Holzwerkstatt in die Landgestaltung nähert er sich mit Bedacht und viel Zurückhaltung den angebotenen Tätigkeiten. In seiner Freizeit beginnt er nach einiger Zeit, ein kleines Gewächshaus zu pflegen. Nach und nach fasst er Vertrauen, leiht sich Gartenfachbücher und Geräte aus und lädt Mitbewohner in sein Gewächshaus ein. Er beginnt mitzudenken und bringt eigene Ideen in sein Arbeitsfeld ein. Er plant unter Beratung eines Betreuers eine Pflanzfläche, die dann auch mit allen Gartenmitarbeitern umgesetzt wird.

Das Arbeitsamt will ihn vermitteln, er fährt mit Zögern zu einer Gärtnerei mit. Der junge Mann spricht immer seltener von der anderen Einrichtung und immer öfter von ”unserer Hohenfrieder Gärtnerei”. Er übernimmt den Gießdienst am Sonntag und wagt sich an kleine Arbeitsgeräte heran. Sein Interesse für die größeren Maschinen wie Bobcat, Rüttelplatte und Minibagger erwacht. Er wird sorgfältig eingewiesen und arbeitet mit großer Freude und Stolz. Bei einem gemeinsamen Fachaustausch mit Betreuten der WFB Höhenberg äußert er: „Bei uns in Hohenfried ist es viel besser. Da werde ich gebraucht, da bleibe ich.” Bei einem erneuten Treffen ist nun auch der Behördenvertreter davon überzeugt, dass der junge Mann in HOHENFRIED seine Heimat gefunden hat.

HELFER IN ALLEN LEBENSLAGEN

Wir wollen viele dicke Kieselsteine von der Kuhweide zur Schulwiese transportieren. Eine Schubkarre weiß Christian sofort zu organisieren. „Herr Nestle hat eine – und die leiht er uns!” Gesagt, getan.

Mehrfach kippt die volle Schubkarre mit seiner ganzen Ladung um, weil das Kind, das gerade schiebt, die Kraft verlässt. Schnell lädt Christian alle Steine wieder auf. Beim Hügel hoch zur Schule meint er zur Lehrerin: „Wenn du nicht mehr kannst, helfe ich dir.” Als wirklich eine Pause eingelegt werden muss, organisiert Christian alle Mitschüler um die Schubkarre herum, sodass mit Hilfe des Krafteinsatzes von Allen gemeinsam das Werk vollbracht werden kann.

DAS IST NUR DIE HALBE WAHRHEIT

Herr Hofhammer nimmt Frau Sieber an der Hand und zieht sie zur Tafel ins Haus Bernhard. Er will wissen, was dort geschrieben steht.

Interessiert lauscht er, was Frau Sieber ihm vorliest. „Erkennt der Mensch sich selbst, wird ihm das Selbst zur Welt.” Spontan hakt Herr Hofhammer ein: „Das ist aber nur die halbe Wahrheit!” Tatsächlich fehlt da noch etwas, nämlich der zweite Satz, den er dann selbst hört: „Erkennt der Mensch die Welt, wird ihm die Welt zum Selbst.” Für einen Moment steht Herr Hofhammer schweigend da, dann nickt er zustimmend und sagt: „Das hat eine große Bedeutung für unsere Seele.” Er dreht sich um, lässt Frau Sieber kommentarlos stehen und geht zu seinem Arbeitsplatz zurück.