LEITBILD – Hohenfried e.V.

»Grundlagen für unser Tun ist die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, Resolution 217 A (III) vom 10.12.1948 und das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland Art. 1 [Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit]1

 

Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie sind mit Vernunft und Gewissen begabt und sollen einander im Geiste der Brüderlichkeit begegnen. Wir fühlen uns dem Mandat unserer KlientInnen, dem Mandat der Kostenträger (Gesellschaft) [Grundgesetz, Rechtsgrundlagen, BSHG, SGB und bayerischer Rahmenvertrag…]) und dem Mandat unseres Wissens (Menschenrechte, Anthroposophie…) verpflichtet und stehen in dem Spannungsverhältnis zwischen den Bedürfnissen unserer Klienten und den gesellschaftlichen Ansprüchen.

 

Unsere grundsätzliche spirituelle Motivation besteht darin, Verhältnisse zu schaffen, die es den Menschen ermöglicht ihr eigenes persönliches Schicksal und das der ganzen Menschheit auszuleben.

Die soziale Motivation besteht in der Gestaltung einer tragenden sozialen Gemeinschaft die jedem den Zugang zu den Ressourcen Nahrung, Bildung, Kultur und Arbeit sowie Erfahrungen in diesen und zwischenmenschlichen Bereichen ermöglicht. Erstaunen und Mitgefühl sind dabei tragende Qualitäten.

 

Die wirtschaftliche Motivation ist eine wesentliche Grundlage, die die anderen Ziele erst ermöglicht. Hohenfried ist so zu entwickeln, dass aus einer Fülle die Maßnahmen und Projekte für die Menschen getragen werden können. Hierzu werden alle Möglichkeiten und Potentiale zu wirtschaftlicher Tätigkeit genutzt. Dies setzt andererseits einen ökonomischen Umgang der Ressourcen voraus.

 

Hohenfried ist „Heimat“ für Lebensentwürfe, von Menschen jeden Alters, behindert oder nicht behindert. Aus der biografischen Perspektive und der Ausgangshaltung, dass jeder Mensch eine Individualität und Ich-begabt ist, löst sich die Unterscheidung in behindert und nicht behindert auf. Unseren geschaffenen Mehrwert sehen wir in einer gemeinsamen, realisierten personifizierten Erfahrung. Das eröffnet die Ebene der Haltung einer partnerschaftlich betriebenen Entwicklung.

 

Inklusion beginnt für uns in dem Prozess, wenn der Mensch selbst an seinen ursprünglichen Intentionen ansetzen kann. Es steht die eigene Eigenaktivierung im Vordergrund. Bedingungen hierzu sind u.a.:

  • als Mitarbeiter muss ich selbst an die Quelle anschließen können
  • die eigene Selbstachtung wahren
  • das eigene Leben sinnvoll leben             um etwas abgeben zu können.

Als berufliches Ziel, so viel wie möglich Bewohner auf den 1. Arbeitsmarkt zu bringen, finden wir gut. Wie alles hat das Bedingungen. Wir können über unsere Bedingungen sprechen und diese können wir auch beeinflussen.

Interne Bedingungen – unter Anbetracht, dass Arbeit Mittel zum Zweck ist – sind folgende:

  • Bedürfnisse von Dritten befriedigen
  • Entwicklung der eigenen Fähigkeiten mit dem Ziel zur Selbstbestätigung

Über die externen Bedingungen können wir kaum Einfluss ausüben. Hier können wir nur über Erfahrungen sprechen.

 

Aus Sicht des organisationalen Modells, vernetzen wir standardisierte Maßnahmen, KlientInnen-beziehung und Innovation miteinander. Wir sehen die persönliche Ausrichtung eines jeden und auch die eigene, als „die Welt ist wie sie ist“, „Die Welt verändert sich durch unsere Interaktion und „die Welt entsteht durch Qualität der Aufmerksamkeit mit der wir uns zuwenden.

 

Das Entwicklungspotential von Menschen mit Behinderung ist durch die Behinderung selbst eingeschränkt. Das bedeutet, dass Entwicklung mit weniger Ressourcen geschehen muss. Die Arbeit mit Menschen mit Behinderung erfordert daher ein effizientes Vorgehen.

 

Das bedeutet, dass alle zur Verfügung stehenden Komponenten in einem effektiven Sinn zum Einsatz kommen müssen: Geistig-seelische Entwicklung, Bildung, Kultur, Tätigkeiten im lebenspraktischen Bereich, Natur, Tiere, Gemeinschaft, Partnerschaften, therapeutisch - medizinische Unterstützung. Wir arbeiten nach Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität, die ständig aufeinander Einfluss haben.

 

Die Prinzipien unserer Arbeit sind:

  • Geistige Behinderung ist eine individuelle Lebensform. Menschen mit geistiger Behinderung sind Bestandteil der Gesamtmenschheit. Daher sind sie nicht auf einen Sonderaspekt des Mangels zu reduzieren.
  • Wahrnehmungsinhalte, Begriffe, Vorstellungen und Urteile bringen wir mit sinnlichen Wahrnehmungsinhalten in Verbindung. Ein Mensch mit Behinderung ist z.B. nicht das „Down Syndrom“, sondern sinnlich wahrnehmbar; mit seinen Stärken, Fähigkeiten und individuellen Färbungen.
  • Lebensentwürfe als das gestaltende Prinzip seelischer Entwicklung, deren äußere Spuren uns in der Biographie begegnen. Diesen gilt unsere Aufmerksamkeit. Die Lebensentwürfe gehen über die Bedürfnisebene hinaus, stehen aber damit im Zusammenhang.

Berufsbiografische Gestaltungskompetenz als Aufgabe zu sehen. Dieses Konzept ist ein Modell für die berufliche Tätigkeit in der heutigen Zeit. Die Entwicklung von Selbstlernkompetenz, das bewusste Erkennen der eigenen Kompetenzen, die Veranlagung eines berufsbiografischen Blicks und der Aufbau von Selbstmarketing stellen einen beweglichen Zusammenhang dar. Wir nehmen dies als Modell um ganz individuell die vier Komponenten miteinander in einen Gesamtzusammenhang zu bringen. Dies gilt für alle – Menschen mit und ohne geistige Behinderung. Das Resultat soll ein persönliches Gleichgewicht für jeden schaffen.

 

  • Auf der Grundlage adäquat qualifizierten Personals, das kontinuierlich fort- und weitergebildet wird, wird die geforderte Qualität im täglichen Arbeits- und Betreuungsprozess umgesetzt. Die Qualitätspolitik ist wichtiger Bestandteil unserer Geschäftspolitik und gilt für alle Mitarbeiter Hohenfrieds verbindlich.
  • Von unseren Lieferanten und Dienstleistern erwarten wir bei allen Produkten und Dienstleistungen ein hohes Maß an Qualität, damit wir diese an unsere Leistungsempfänger weitergeben können.
  • Das Streben nach kontinuierlicher Verbesserung unserer Dienstleistungen ist uns sehr wichtig. Durch einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess werden Änderungen den Gegebenheiten angepasst und neue Entwicklungen und Strategien positiv und offen umgesetzt.

Die Bereitschaft Entwicklungsräume zu organisieren, sich auf diese einzulassen sind unter Berücksichtigung der gegenseitigen Wertschätzung Grundsätze unserer Unternehmenskultur. Diese werden auf allen Ebenen, sowohl von Mitarbeitern als auch von Vorgesetzten praktiziert. Wir sind Experten im Umgang in der Entwicklungsarbeit und achten auf die Wirkungsorientierung unserer Arbeit.

 

Die Basis unseres fachlichen Handelns ist das Hingehen zu den Wahrnehmungsinhalten, das Interesse an eigener Forschung und den Forschungsergebnissen, und das Verbinden dieser Erkenntnisse mit den tatsächlichen Lebenssituationen. Wir arbeiten nach unterschiedlichen Perspektiven zur individuellen Lebensgeschichte. Diese begegnen uns in Form einer Erzählung, als Biografie die den Entwicklungsweg aufzeigt und als Perspektive durch die wir die Jahrsiebte als eine qualitative Zeitstruktur erfassen. Darüber hinaus werden Vernetzungen zu Partnern, nicht nur aus dem Sozialbereich, gesucht. Der Träger stellt hierfür ausreichende Rahmenbedingungen zur Verfügung.

 

Wir sehen es als unsere Aufgabe immer wieder die „gleiche Augenhöhe zwischen Menschen mit geistiger Behinderung und Menschen ohne Behinderung herzustellen. Aus der Situation dieser Interaktion kommen wir zu neuen Frage- und Aufgabenstellungen.

Das Anliegen der Menschen mit Behinderung an der gesamtmenschlichen Entwicklung teilzunehmen tragen wir in die Gesellschaft, Politik und andere Beteiligte heran, um eine Grundlage für Veränderungen zu schaffen und immer wieder einzufordern.

 

In unserer Arbeit legen wir in den verschiedenen Aufgabenbereichen Wert auf Selbst-Verantwortung und Initiative. Grundlage ist ein zielorientiertes Vorgehen. Bei den Arbeitsschwerpunkten findet eine Gewichtung KlientInnen bzw. Zielgruppen, Team und Ressourcen orientiert statt.

 

stand, 09.08.2017